Zu Hause

01April2018

Meine letzten Tage in England vergingen Ratzfatz, weil es immer etwas zu tun gab.

  • Am letzten Sonntag habe ich es geschafft, meine Gastfamilie noch einmal wiederzutreffen! Was für ein herrlicher Spaziergang am Meer!

  • Wenn ich nicht in der Schule war, stöberte ich durch den Supermarkt und kaufte so viel Schokolade ein wie noch in meinen Koffer passte. Die englische Schokolade ist nämlich umwerfend! smile

 

  • Und natürlich verbrachte ich noch die letzte Zeit mit meinen neu gewonnenen Freunden. Hier siehst du Sarah, mich und die zwei Amerikanerinnen Stefanie und Amanda, die neuerdings auch auf der Schule Praktikum machen.

Ansonsten konnte ich es kaum erwarten, nach Hause zu kehren. Auch wenn die Busfahrt eine halbe Ewigkeit dauerte. Aber kaum hatte ich wieder das europäische Festland erreicht, ruhten sich meine Augen auf dem Anblick der vielfältigen Häuser aus. Wie ich schon sagte, habe ich mittlerweile die gleich aussehende Architektur Englands satt. Ich habe es richtig genossen, mal etwas Abwechslungsreicheres zu sehen!

Pünktlich zu Ostern bin ich also nach Deutschland zurückgekehrt. Mittlerweile melde ich mich schon wieder aus der Heimat! War schön, daheim nochmal Geburtstagsgeschenke auszupacken! Ich war nicht die Einzige, die sich darüber gefreut hat...

Zurückblickend habe ich durch dieses Auslandspraktikum Einiges gelernt. Es waren nicht nur positive Erfahrungen, weil mich das Schulsystem Englands nicht überzeugt hat, wie ich dir schon berichtet habe.

  • Aber dafür habe ich viel darüber nachgedacht, was mir als zukünftiger Lehrer mal wichtig sein wird und ich unbedingt umsetzen möchte in meinen Unterrichtsmethoden.
  • Ich habe trotzdem wertvolle Unterrichtserfahrung gesammelt, weil ich oft ja selbst einspringen musste und unterrichtet habe, was eigentlich ganz gut gelaufen ist!
  • Ich habe die englische Kultur näher kennengelernt, sodass ich nun einen authentischeren Englischunterricht halten kann.
  • Ich weiß manche Dinge in Deutschland mehr zu schätzen, z.B. dass unser Land frei vom Fluch der Ofenkartoffeln ist. Dass Deutsche im Durchschnitt nicht so kalt und oberflächlich sind wie Engländer. Dass unsre Architektur vielfältig ist. Dass unsre Bäckereien Vollkornbrot verkaufen! wink
  • Die Erfahrung zu machen, dass es mir dank meinen vielen bisherigen Reisen ins Ausland ziemlich leicht fällt, mich im Ausland zurechtzufinden, ist schon ziemlich cool!

Jetzt darf ich das Kapitel "Auslandssemester in England" schließen. Ich danke dir, dass du mich bei meinen Eindrücken und Erfahrungen begleitet hast, und ich hoffe, dass ich dir durch meine Berichte eine Freude bereitet habe...

Ach ja, und was die Quizfrage vom letzten Blogeintrag betrifft: danke für deine Ideen! Die Lösung, was eine "Tudor Surgery" nun ist, muss leider ein Geheimnis bleiben. Ich habe meinen Praktikumslehrer Nigel gefragt. Seine Antwort: "Vielleicht beziehen die sich damit auf das Gebäude an sich? Hoffentlich meinen die mit 'Tudor' nicht die Behandlungsart. Nantwich ist wohl einfach stolz auf seine Geschichte."

Nantwich

24März2018

Nur einen Katzensprung entfernt liegt die kleine Stadt Nantwich.

Im Altenglischen gab man Orten die Endsilbe -wich aus einem ganz bestimmten Grund. Ich weiß ganz genau, was du jetzt denkst:

"Ahaaa - das klingt ja so wie 'witch'! Bestimmt hat das was mit Hexen zu tun!"

Ne, da muss ich dich leider enttäuschen - es weißt auf Salzproduktion hin! Hättest du jetzt nicht gedacht, oder? smile

So sieht es in Nantwich aus:

 

Langsam finde ich es schon gar nicht mehr faszinierend, uralte Fachwerkhäuser zu sehen.

Irgendwie sieht es in England oft gleich aus. Nicht nur in Bezug auf Fachwerkhäusern, sondern auch in Bezug auf Kathedralen...

...oder - wie ich ja schon erwähnt hatte - die Reihenhäuser. Sich in einer Wohngegend zu orientieren, ist deshalb gar nicht so einfach, weil die Häuser eben alle ähnlich aussehen. Bei uns in Deutschland gibt es große und kleine Häuser in den verschiedensten Farben mit den verschiedensten Gärten. Hier gibt es nicht viel, inwiefern sich das eigene Haus von dem des Nachbarn unterscheidet.

Die Geschäfte sind übrigens in den Städten auch immer dieselben. Waterstones (Buchgeschäft), noch so ein bestimmtes Bastelgeschäft, ein paar Wohltätigkeits-Secondhandläden, ein "Costa"-Café und ein "Poundbakery"-Backshop - das findest du wohl überall.

Ja, sogar die Schulkinder sehen ja wegen der Schuluniform gleich aus! Bevor ich hierher gekommen bin, fand ich Schuluniformen toll! Die sehen so anständig und wichtig aus! Jetzt denke ich anders darüber: in der Art, wie sich ein Mensch kleidet, kann man auch ein bisschen die Persönlichkeit sehen und das Einzigartige, das Individuum. Wir hatten auf der Schule mal einen Tag ohne Uniform, und das habe ich wirklich so genossen! Die Klassen sahen so viel lebhafter aus, so viel kindlicher! Klar hat die Uniform auch den Vorteil, dass man nicht wegen Klamotten gemobbt werden kann. Und dass man nicht stundenlang vor dem Schrank stehen muss und sich nicht entscheiden kann, ob das blaue oder doch lieber das rote T-shirt besser aussieht. Aber Kinder sind immer noch Kinder - und ich finde, dass die Uniform in der Grundschule noch zu früh ist und sie dadurch nur zu einen von vielen werden. Aber gut, das ist meine Meinung.

Ach und was noch so gleich ist in England, sind die Speisekarten der Restaurants. Ich kann dir sagen, dass du wohl so gut wie überall so etwas auf der Speisekarte finden wirst wie

  • Chicken Tikka Masala
  • Fish and Chips
  • Burger
  • Beef and Ale Pie
  • Pizza

Und, was hab ich vergessen? Na klar - die Jacket Potato (Ofenkartoffel), die darf nicht fehlen!

Es ist ein bisschen eintönig, so im Großen und Ganzen immer das Gleiche zu sehen. Ich habe das Gefühl, da sind andere Länder reicher an Varietät. Finde ich persönlich spannender. wink

Was ich aber gut an England finde - überall stehen Wegweiser! Sich zu verlaufen, ist echt unmöglich - egal wo man ist!

In Nantwich gibt es ein Museum, der Eintritt ist kostenlos (hier in England sind viele Museen umsonst)! Das hier z.B. ist ein altes Feuerwehrauto (ist kleiner als ich!).

 

Wenn dein Haus Feuer gefangen hatte, war es früher nicht selbstverständlich, dass die Feuerwehr anrückte! Nur, wenn du genug Geld hattest, konntest du dir die Feuerwehr leisten. Dein Haus hätte dann dieses Zeichen an der Tür:

Wenn du dieses Symbol nicht hattest, würde dein Haus gnadenlos verbrennen! Dann haben wirs heutzutage echt gut, dass es die freiwillige Feuerwehr gibt, die jedes Haus löscht!

Heute war es mal wieder eiskalt - noch immer lässt der Frühling auf sich warten. Da traf es sich ganz gut, sich mit heißer Schokolade aufzuwärmen. Wir versuchten uns auch an englischem Kuchen - "Vanilla Slice" und ein "Copenhagen". Fantaaaaastisch!!!

 Eine Quizfrage zum Schluss, damit du was zum Grübeln hast: wenn "Surgery" Chirurgie oder eine ärztliche Praxis bedeutet und wenn "Tudor" eine englische Königsdynastie des 15./16. Jahrhunderts bezeichnet...

   

 ... was ist dann bitte eine "Tudor Surgery"?

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir schießen da Bilder durch den Kopf wie:

 Hast du eine andere Idee? innocent

Der Virus des Reisefiebers

22März2018

Heute kamen zwei Leute von außerhalb in die Schule und haben einen Workshop in Naturwissenschaften gehalten. Das haben sie echt gut gemacht - die Kinder waren wahnsinnig aufmerksam, haben brav gefolgt und hatten Spaß am Lernen. So stelle ich mir das vor! smile Ich muss leider sagen, dass das die beste Stunde war, die ich hier beobachtet habe. Ich stimme mit den Unterrichtsmethoden hierzulande nicht sehr überein.

  • Entweder sind die Lehrer viel zu lieb und setzen sich nicht durch oder sie vergessen in ihrer Strenge, mit Leidenschaft und Liebe zu unterrichten und Freude am Lernen zu bewirken.
  • Den Schülern wird immer so viel vorgegeben, dass sie kaum Gelegenheit bekommen, ihre eigene Persönlichkeit im Lernen auszudrücken: Aufgaben sind weniger offen, sondern führen bei jedem Kind meist zur gleichen Antwort ohne viel Spielraum.
  • Außerdem habe ich habe das Gefühl, die Lehrer sind so sehr dahinter, aussagekräftige Aufzeichnungen für die Schulinspektoren zu sammeln, dass sie die Bedürfnisse der Kinder hintenanstellen. Oft sind die Lehrer ziemlich beschäftigt damit, Fotos zu knipsen und das Klassenzimmer mit Lernplakaten und Postern zuzukleistern, damit es ja nach einem effektiven Unterricht aussieht. Für mich wirkt das oft wie Fake und So-tun-als-ob. Ich habe zumindest hinter die Kulissen schauen können und weiß, dass der Schein trügen kann.

Jedenfalls haben wir Praktikanten uns in der Mittagspause mit einem der Workshopleiter namens Thomas unterhalten. Er hat mitbekommen, dass Jasmin Ende der Woche nach Hause fahren wird.

"Wart ihr schon in Crewe Hall?"

"Ne..."

"Ich könnte sie euch nach der Schule zeigen, wenn ihr Lust habt! Man sollte dort gewesen sein, bevor man Crewe verlässt!"

Und so saßen wir nach der Schule in Thomas' Auto. Eine ziemlich komische Situation, hatten wir ihn doch gerade erst kennengelernt.

Thomas ist ein älterer Herr schon im Rentenalter, der früher einmal sein Büro in Crewe Hall hatte; deshalb kannte er sich dort so gut aus und konnte uns eine exzellente Führung geben, ganz für uns allein.

Wir hatten zuvor noch nie von Crewe Hall gehört. Laut Thomas wissen die Wenigsten davon. Das finde ich ziemlich komisch! Schließlich könnte man es als die beste Sehenswürdigkeit und der schönste Ort in Crewe bezeichnen!

 

Thomas sprudelte über vor Wissen. Er war wie ein offenes Buch und überhäufte uns mit Informationen! Zuerst erzählte er uns etwas über die Geschichte der Stadt Crewe:

 

Crewe

Früher einmal war Crewe miniklein. Nur etwa 70 Leute haben hier gewohnt. Aber innerhalb von 5 Jahren wurden aus den 70 Leuten 50.000!

Warum? Crewe wurde im 19. Jahrhundert zum Eisenbahnknotenpunkt. Als nämlich die ersten Eisenbahnen das Land durchquerten, gehörten die einzelnen Eisenbahnstrecken nicht zusammen, sondern jede Strecke gehörte einer anderen Gesellschaft an, die gegeneinander konkurrierten. Wollte man also durch das Land reisen, konnte man nicht einfach irgendwo umsteigen, sondern man fuhr bis zu einer gewissen Station und musste dann zu Pferd die nächste Streckenanbindung der anderen Eisenbahngesellschaft erreichen, die oft Tagesritte entfernt war. Ziemlich umständlich!

Aber durch Crewe änderte sich das Ganze! Es wurde beschlossen, die einzelnen Eisenbahnstrecken dort zusammenzuführen. In Crewe konnte man so einfach zu Fuß von einer Eisenbahngesellschaft zur nächsten wechseln. Deshalb hat Crewes Bahnhof auch die größte Anzahl von Gleisen in ganz Großbritannien! So wuchs das ehemals ländliche Crewe zur Industriestadt heran.

Aber was ist denn jetzt eigentlich diese Crewe Hall?

 

Crewe Hall

Crewe Hall war einmal das Heim der Familie Crewe, nach der die Stadt benannt ist. Von Thomas weiß ich, dass der englische Staat einmal eine so hohe Steuer für die Reichen eingeführt hatte, dass Viele diese gar nicht begleichen konnten, wenn sie nicht ihre Residenzen an den Staat verkauft hätten. So ist es auch der Familie Crewe ergangen.

Thomas erzählte, dass er die heutigen Familienmitglieder der Crewes einmal nach Crewe Hall gebracht und sie wie uns herumgeführt hatte. Das muss ein komisches Gefühl gewesen sein, wenn man darüber nachdenkt, dass in diesen schlossartigen Gemäuern einmal die eigenen Vorfahren aufgewachsen sind.

Heute ist es ein Hotel und ein teures Restaurant. Hier war gerade ein Event in Vorbereitung:

Eigentlich viel zu schade - mir erscheint Crewe Hall wie ein Schloss! Schau dir das Treppenhaus an:

 

Die einzelnen Räume waren erstaunlich:

 

 

Die Familie Crewe hatte auch eine hauseigene Kapelle wie es beim Adel üblich war:

 

Aprospros majestätisch: Thomas' ehemaliges Büro gleicht übrigens dem Empfangsraum eines Königs!

Nach der Besichtigung hat Thomas uns sogar noch zu sich nach Hause auf eine Tasse Tee eingeladen, wo wir seine Frau kennenlernen durften. Die war ziemlich überrascht über den spontanen Besuch, aber wahnsinnig lieb! Die beiden vertraten genau das Bild, was man von den Engländern vor Augen hat: eine überaus große Höflichkeit, Eleganz und gutes Benehmen.

Ich glaube, die beiden waren sehr glücklich, mal von jungem Gemüse umgeben zu sein. Ihre Kinder und Enkel wohnen nämlich nicht gleich um die Ecke - bestimmt sind sie manchmal einsam...

Am Ende des Tages waren wir drei echt überrascht, was sich manchmal so spontan ergibt. Wir hatten mit diesem Ausflug ja mal so gar nicht gerechnet! Und genau das liebe ich so an Reiseabenteuern. Das Unerwartete, die Überraschungen, die Abenteuer, der Kontakt zu Einheimischen. Neue Sichtweisen tun sich auf.

Und siehe da - Jasmin und Sarah sagten mir so: "Die Zeit hier hat mich neugierig darauf gemacht, noch mehr Orte zu entdecken. Ich will noch mehr reisen!" Denn eigentlich sind sie keine Weltenbummler, aber anscheinend hat jetzt auch sie das Reisefieber gepackt.

Fluch und Segen zugleich. Wenn man einmal angesteckt wurde, gibt es kein Entkommen mehr. Jetzt sind sie wohl wie ich auch süchtig nach Reisen. laughing Da sieht man mal, wie ein längerer Auslandsaufenthalt einen Menschen verändern kann. Ich bin ja mal gespannt, was die Zeit in England so für Auswirkungen auf uns und unser weiteres Leben hat und noch haben wird...

Nachts im Glockenturm

20März2018

Die langen Schultage gehen ganz besonders schnell vorbei, wenn man ein tolles Abendprogramm vor sich hat und sich drauf freuen kann. Heute stand etwas ganz Spezielles an: Nigel, unser Praktikumslehrer, hat Sarah, Jasmin und mich zu sich nach Hause eingeladen!

Er wohnt in der Stadt Macclesfield, ca. 30 Minuten von Crewe. Auf dem Weg dorthin sind wir durch eine malerische Landschaft gefahren. Überall gab es Schafe zu sehen, weite Wiesen und Felder,...

 

...und niedliche Dörfer. An einem Ort haben wir Halt gemacht, denn Nigel wollte uns gern diese Kirche aus dem 16. Jahrhundert zeigen.

Sie steht mitten im Grünen und wird fei gar nicht mehr als Kirche benutzt! Es finden aber ab und zu Konzerte u.ä. statt.

Nigel kennt sich sehr gut mit Kirchen aus, da er es sich zum Hobby gemacht hat, Kirchenglocken zu läuten. Er ist in einer Gruppe, die sich jeden dienstagabend trifft, um Kirchenglockenläuten zu üben. Ehrlich gesagt hab ich gar nicht gewusst, geschweigedenn drüber nachgedacht, dass es so was gibt und dass es so kompliziert ist, Glocken zu läuten!

Jedenfalls weiß Nigel deshalb ganz genau Bescheid, wie viele Glocken eine jede Kirche in der Region hat. Seine Lieblingskirche, in der er immer läutet, ist in Gawsworth, ganz in der Nähe von Macclesfield. Nigel hat sie uns natürlich gezeigt. Ein weiteres Mal fühlte ich mich wie in einer Märchenwelt. Es ist erstaunlich, wie schön die englische Architektur ist. Auf dem ganzen Weg hierher haben wir ja schon die faszinierenen, alten Häuser bestaunen können. Aber diese Kirche - die übertraf alles!

Die Kirche aus dem 15. Jahrhundert ist von einem großen Teich umgeben, auf dem sich Enten friedlich tümmelten und sich freuten, dass Nigel dran gedacht hat, Weißbrot einzupacken, sodass wir sie füttern konnten.

Die Kirche hatte einen Toreingang wie aus einem Drakulafilm.

Ich konnte es trotzdem kaum erwarten, hineinzugehen!

Der Friedhof war total faszinierend. Je näher die Grabsteine an der Kirche gelegen sind, desto älter sind sie.

  

Angeblich spukt es auf dem Friedhof. Wegen dem Geist einer gewissen Mary Fitton. Mary war angeblich Shakespeares Geliebte und wahrscheinlich diejenige, an die seine tragischen Sonnet gewidmet sind. Wissenschaftler haben sogar gesagt, dass Shakespeare gebrochenen Herzens gestorben ist, weil Mary ihn abgelehnt hatte.

Das Familiengrab der Fittons liegt jedenfalls auf dem Friedhof von dieser Kirche St. James in Gawsworth. Es ist mit dem Todesdatum 1608 das älteste Grab! Marys Geist soll zum Jubiläum von Shakespeares Todestag auf dem Friedhof gesichtet worden sein.

Aber genug mit den Gruselgeschichten. Jedenfalls hat uns Nigel dann letztendlich in sein Heim gebracht, wo wir lecker zusammen mit seiner sehr netten Frau und seiner Tochter zu Abend gegessen haben.

Später am Abend sind wir zurück zur spukenden Kirche gekehrt. Es war bereits düster. Die Kulisse sah jetzt nochmal kinoreifer aus!

Wie bereits erwähnt, trifft sich Nigel jeden Dienstag zum Kirchenglockenläuttraining - und wir durften diesmal dabei sein!

Zuerst bekamen wir eine Privatführung durch den Kirchturm.

Dann sahen wir ihm und seinen Freunden dabei zu, wie sie an den Seilen der Glocken zogen und sie diese nach einem ganz bestimmten Muster ertönen haben lassen. Je nach Anlass gibt es eine bestimmte Reihenfolge und einen speziellen Rhythmus, wann welche Glocke erklingen soll. Die Glockenläuter müssen sich also genau aufeinander abstimmen und im richtigen Moment am Seil ziehen. Die Rhythmen muss man wohl alle auswändig können. Du siehst also - das scheint nicht sehr leicht zu sein!

Nach dem Training hat uns Nigel noch in den Pub eingeladen. 

Es war ein wunderhübsches, uraltes Gebäude mit tiefen Decken und traditioneller Einrichtung.

Neben unsrem Tisch hing ein Bild von Mary Fitton. Aus Versehen haben wir bei unsrem Selfie ihren Kopf abgeschnitten, wie du hier siehst. Seitdem hoffen wir auf ihre Gnade, dass sie uns nicht verflucht hat.

So sicher sind wir uns nämlich nicht: gleich am nächsten Tag auf dem Weg zur Schule wurden wir Zeugen einer Diebesjagd zweier Polizisten. Und eine schwarze Katze ist uns auch über den Weg gelaufen... wink

Chester

18März2018

Ich habe in Regensburg einen Halbengländer kennengelernt. Er hat mir gesagt, dass das Städtchen namens "Chester" sein Lieblingsort in England ist.

Zum Glück ist Chester gar nicht so weit weg. Perfekt für einen Sonntagsausflug also! Mein Kumpel hat auch nicht zu viel versprochen. Es war einfach nur magisch!

Ich habe während meiner Zeit hier in England bereits öfter das Gefühl gehabt, mich in einer mittelalterlichen Märchenwelt zu befinden. Und so war es auch dieses Mal.

Von der Stadtmauer aus...

... hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Fußgängerzone. Es sah ein bisschen so aus wie die Winkelgasse aus Harry Potter.

Chester hat viele uralte Häuser! Bei manchen steht sogar dran, wie alt sie sind! Zum Teil sind es Originalbauten aus dem 16. Jahrhundert.

Chester hat auch eine ziemlich beeindruckende Kathedrale. Innen durfte ich leider keine Fotos machen - aber du kannst dir sicher sein, dass es atemberaubend schön war!

 

Aaaaber es wird noch besser! Es gibt etwas, das noch ganz oben auf meiner To-Do-Liste steht: in einen Tea Room gehen und Scones essen. Weißt du, was Scones sind? Kleine Gebäckstücke, die man traditionell mit einem Streichrahm ("Clotted Cream") und Marmelade isst. Die salzige Version gibt's aber auch.

Lass mir es dir sagen - sie sind einfach nur FANTASTISCH! Ein weiteres Rezept also, das ich daheim ausprobiere! Das musst du einfach probieren!

Falls du sie mal ausprobieren solltest - vergiss den schwarzen Tee dazu nicht! wink

Leider war das schon das Ende des Aufenthalts meiner Freundin Julia. Es ging viel zu schnell vorbei... Aber meine Tage in England sind gezählt und wir sehen uns eh bald in Deutschland wieder. Vielleicht auch sogar du und ich? laughing 

Liverpool

17März2018

Juhuu - endlich ist mein Besuch aus Deutschland da! Ich habe meine Freundin Julia gleich mit einbezogen: freitags nach der Schule haben uns drei unserer Lieblingslehrer in einen Pub eingeladen. Julia hat auch meinen Deutschlehrer kennengelernt, der ganz begeistert war, noch mehr deutsch reden zu können!

Im Pub konnte ich mal wieder die Finger von Chicken Tikka Masala nicht lassen.

Julia versuchte sich an Fish and Chips. Dazu gabs "Mushy Peas" - stell dir Kartoffelbrei aus Erbsen vor. Ist richtig lecker!

Samstag ist Erkundungstag - diesmal sollte es nach Liverpool gehen! Ich hatte mich schon sehr auf diesen Tag gefreut, weil heute auch noch St. Patrick's Day ist.

St. Patrick's Day ist der irische Nationalfeiertag und wird deshalb gefeiert, weil am 17. März im Jahre 461 n. Chr. der Schutzpatron von Irland namens St. Patrick gestorben sein soll.

Seit des 18. Jahrhunderts finden an diesem Tag Paraden statt. Die Leute ziehen sich grün an, weil das grüne, dreiblättrige Kleeblatt ein Symbol des St. Patrick ist - es steht für die Dreifalitgkeit (Vater, Sohn, Heiliger Geist).

Wie ich gehört habe, soll Liverpool der perfekte Ort für St. Patrick's Day sein, weil die Stadt viel Irisches an sich hat. Also, auf nach Liverpool!

Wenn es doch heute nur nicht so schrecklich kalt gewesen wäre... Es hat sogar mal wieder geschneit!

 In Liverpool haben wir auch eine Parade mit erlebt. Mir taten die Leute leid, die es ohne Handschuhe und ohne Strumpfhose stundenlang in der Kälte aushalten und nebenbei noch Flöte spielen mussten!

 

Dieser Kerl war wenigstens gut eingepackt.

Die Musik war mitreißend!

 

Hier ist eine Hörprobe:

 

Die Parade war nicht besonders lang - am Ende sollte man sich einfach anschließen und mit durch die Straßen ziehen. Lange hielten wirs aber nicht bei der Parade aus - es war einfach zu kalt, sodass wir lieber erstmal unsre Mägen mit etwas Britischem vollladen wollten.

Ich hatte Julia von dem Fluch der Ofenkartoffel erzählt und gewarnt - aber was tat sie? Sie bestellte sie sich trotzdem! laughing

Ich wählte "Ale and Beef Pie": ein salziger Kuchen gefüllt mit in Ale mariniertem Rindfleisch, dazu Bratensoße, Kartoffelbrei und Erbsen. Es war soooo fantastisch! Der Kuchenteig war so knusprig! Koch das mal nach!

  

Was wir uns noch ansahen:

  • mal wieder eine wunderschöne Bücherei

  • ein typisches englisches Auto! (hab ich hier schon öfters gesehen - in Conwy waren das oft Taxis!)

  • die größte Kathedrale Großbritanniens (meiner Meinung nach ist sie echt schon zu groß; die in Manchester gefiel mir besser):

  • im Kontrast dazu die moderne Kathedrale:

    

  • ein weiteres Chinatown - das ist aber sehr klein! Besteht nur aus wenigen Restaurants und einem Supermarkt, aus dem wir komische Souvenirs mitgenommen haben:

  

  • Und den Hafen (hier gibt es wie in London ein Riesenrad am Wasser):

Ich bin überrascht, dass Liverpool keine Altstadt hat. Eigentlich ist sie ziemlich modern! Schade eigentlich.

 

Am Ende des Tages haben wir noch versucht, uns von der "grünen" Partystimmung mitreißen zu lassen. Die Straßen in der Innenstadt waren voller Menschen, die nachmittags um 5 in die Pubs strömten und ausgelassen feierten als ob es bereits spät abends wäre!

Die Leute standen Schlange vor den Pubs, bei manchen kam man gar nicht mehr rein. Wir wollten eigentlich auch noch was zum Trinken bestellen, aber an die Bar zu kommen, stellte sich als Schwierigkeit heraus:

 

Dann lieber heim - ich war eh hundemüde von der langen Woche und der Eiseskälte... Und morgen wirds nochmal so kalt - wo ist der Frühling???

Mein 23. Geburtstag

14März2018

In den letzten Jahren habe ich meinen Geburtstag immer im Ausland verbracht - wenn ich schon Semesterferien habe, dann nutze ich das natürlich aus, um mir die Welt anzusehen! Das Riskante ist, dass man fernab von zu Hause abhängig ist von den Leuten vor Ort. Wenn man Glück hat, ist man von lieben Menschen umgeben, die einem einen schönen Tag bereiten.

Und ich hatte Glück. smile

Klar musste ich aber vormittags arbeiten. Jasmin, Sarah und ich hatten Marmorkuchen gebacken und ihn den Lehrern mitgebracht. Mein Betreuungslehrer hat mir ein Geschenk überreicht: ein Bilderbuch auf englisch (damit kann man nämlich wunderbar deutschen Kindern englisch beibringen - sehr nützlich für meinen späteren Beruf!).

Mein Betreuungslehrer ist sehr enthusiastisch und hat die ganze Schule drauf aufmerksam machen wollen, dass heute mein besonderer Tag ist. Er hatte sogar vorgehabt, in jeder Klasse, wo er heute unterrichtete, Topfschlagen zu spielen! Zum Glück dann doch nicht, das wäre mir zu unangenehm gewesen. wink

Am Abend haben wir drei uns bei Sarah und Jasmin in der WG getroffen wie jeden Abend. Sie haben mich mit einer Girlande, ...

Geschenken, ...

... und einer niedlichen Minitorte überrascht!

So haben wir noch einen schönen Geburtstagsabend mit Brettspielen verbracht.

Trotz allem fällt es doch ein bisschen schwer, ohne seine alt bekannten Freunde und die Familie zu feiern. Was mir aber geholfen hat, war die Vorfreude darauf, dass eine Freundin aus der Heimat mich morgen für das ganze Wochenende besuchen kommen würde. Dazu mehr im nächsten Blogeintrag! laughing

Am Samstag mal schnell ins Mittelalter

10März2018

Endlich Wochenende - endlich wieder Zeit zum Reisen!

Wohin es diesmal ging? Das verrät dir dieses Foto:

Kennst du diese Flagge? Sie steht für Wales! Findest du nicht auch, dass sie sehr mystisch aussieht? Nach dem heutigen Tage kann ich sagen: sie passt zu Wales wie die Faust aufs Auge! Meinem Eindruck nach ist es nämlich ein Land voller Legenden und Geheimnisse.

Ein Lehrer aus unsrem Praktikum hat uns empfohlen, die Stadt Conwy zu besichtigen. Hier soll es eine alte Burg geben, die sogar zum Weltkulturerbe zählt! Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. In nur eineinhalb Stunden brachte uns der Zug nach Wales.

Wir fühlten uns, als ob wir in ein anderes Land reisten. Es sah hier immer noch englisch aus, aber beim Blick auf jedes einzelne Schild wurde man erinnert, dass wir hier in Wales waren.

 

Wie du siehst, steht hier nämlich alles auf englisch UND walisisch. In der walisischen Schriftweise scheint es so, als ob a, e, i, o und u fehlen. Als ob ein Kind auf der Computertastatur im Spiel einfach irgendwas getippt hat. Wie man die Wörter dann ausspricht, ist mir ein Rätsel.

Seit dem ersten Schritt aus dem Zug staunten wir an jeder Ecke über die Märchenwelt, in der wir uns plötzlich befanden.

   

 

Die Stadtmauer

Conway ist von einer alten Stadtmauer umgeben. Sie ist eine von den besterhaltenen mittelalterlichen Gemäuern Europas. Man kann hinaufsteigen und die ganze Stadt auf ihr abgehen.

  

Wie du siehst, liegt Conwy an der Küste:

Der Ausbilck auf das Gewässer war malerisch - sowie die Aussicht auf die Burg:

 

Wäre ich ein Vogel, ich würde nach Conwy ziehen. Es muss für sie das reine Paradies in den alten Gemäuern sein. Deshalb gab es hier auch ganz viele davon!

 

 

Toll war auch, dass man von der Mauer aus in die ganzen Hintergärten gucken konnte.

Die Hinterhöfe sahen zur Abwechslung sogar mal aufgeräumt, ordentlich und echt hübsch aus! Leider ist Crewe da weniger schön. Das ist die Aussicht von meinem Zimmerfenster aus (guck mal in den Nachbarsgarten links!).

Ich habe eh schon gemerkt, dass besonders unsre Gegend in Crewe ein ziemlich seltsames Viertel ist. Hier wohnt wohl zum Großteil die Unterschicht, denn nicht nur die Hinterhöfe sehen verwahrlost aus - aber dazu ein andermal; ruinieren wir nicht die Atmosphäre von Conwy ;)

 

Der Hafen

 Conwys Stadtzentrum befindet sich quasi am Hafen.

Von hier aus finden sogar Schiffrundfahrten statt.

 

Während der Fahrt hat man uns erzählt, dass Conwys Muscheln eine weit verbreitete Delikatesse sind. Einmal im 17. Jahrhundert hat man sogar eine große Perle in einer der Muscheln von Conwy gefunden. Sie ist noch heute Teil der Kronjuwelen!

 

The Smallest House in the UK

 Stell dir vor: in Crewe gibt es das kleinste Haus in ganz Großbritannien! Es ist 1,82 m breit und 3 m hoch. 

            

Der letzte Hausbewohner war der Fischer Robert Jones im Jahre 1900. Mr. Jones hatte gerade so Platz für ein Bett, einen Ofen und einen Kohlenbunker. Und stell dir vor, Mr. Jones selbst war 1,95 m groß! Der muss sich ja ständig beim Aufwachen den Kopf an der Decke angestoßen haben!

Es gibt viele Theorien darüber, warum das Haus gebaut wurde, und bis heute weiß niemand genau warum. Früher hatte man schon öfters vorgehabt, es abreißen zu lassen, aber Conwys Bewohner haben sich immer dagegen gewehrt.

Man kann das Haus besichtigen, aber leider macht es erst Ende März wieder auf. Im Sommer sitzt dann eine walisische Lady im traditionellen Kleid vor der Tür und verkauft kleine Andenken.

Jetzt habe ich mich aber schon gefragt, was dann das kleinste Haus der WELT ist. Das musste ich googeln:

 

Die Kirche

In Conway gibt es eine Harry Potter mäßige Kirche mit schiefen Grabsteinen überall. Guck mal:

 

Fish & Chips

Jaaaa - das stand auf meiner Liste: Fish & Chips essen in einem sogenannten "Chippy Shop" - das muss sein, wenn man schon mal in UK ist. Ich habe noch von meinem letzten Englandtrip in Erinnerung, dass man hier Pommes mit Essig serviert bekommt. Zum Glück wurde ich davon diesmal verschont und habe sie ohne Essig bekommen. Das war ein Genuss! Conwy ist glaub ich der perfekte Ort für dieses Gericht - wahrscheinlich kam der Fisch gerade frisch vom Meer. Die Panade war so knusprig und ich glaube, die Pommes waren echt selbst gemacht!

 

 

Die Burg

Jetzt aber mal zum Highlight: die Burg!

   

Der Bau von Conwy Castle wurde im Jahre 1283 begonnen und innerhalb von nur 4 Jahren fertiggestellt. Da haben die Bauarbeiter aber einiges geleistet in dieser kurzen Zeit!

Der Bau hat damals 15.000 Pfund gekostet - das sind im heutigen Verständnis 45 Millionen Pfund! Leider ist die Burg mittlerweile nur noch eine Ruine. Es existiert kein einziger erhaltener Raum mehr.

Man kann aber in alle Türme hinaufsteigen...

...und die Aussicht von oben genießen. Man sollte aber einen guten Gleichgewichtssinn für den Aufstieg haben und möglichst schwindelfrei sein. Es ist echt sehr hoch und die Stufen sind wahnsinnig schmal. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es die Ritter damals mit Rüstung hinauf geschafft haben!

Unheimlich war immer der Blick ins Innere eines Turms.

In einem davon befand sich das Verlies - ein tiefer Turm ohne Tür. Von oben konnte man das alles sehen, weil die Böden der einzelnen Stockwerke über dem Verlies ja gar nicht mehr da sind. Gruselig zu sehen war, dass in den Stockwerken genau über dem Verlies ganz viele Kamine waren. Das zeugt von Reichtum und Wohlstand - die Königsfamilie hat wohl genau über dem Verlies in Saus und Braus gelebt. Wie geschmacklos...

 

Zurück in Crewe

Das war ein anstrengender Tag - deshalb ließen wir den Sonntag ruhig angehen. Ich sah mich in Crewe ein bisschen weiter um und war ein bisschen erschüttert, wie heruntergekommen hier alles ist - auch im Vergleich zu gestern im bezaubernden Conwy!

Erstens - ganz ganz viele Geschäfte haben zu und es sind wenig Menschen auf den Straßen. Es fühlt sich an wie in einer Geisterstadt.

Zweitens ist es übelst dreckig.

   

Und drittens sind die Leute seltsam. Manchmal denke ich, man könnte hier voll gut eine RTL2-Sendung drehen. Was hier für Gestalten rumlaufen! Beim Ranzoomen bei diesem Foto erkennst du vielleicht den Mann von weitem, der nachmittags um 5 mit Schlafanzughose und Unterhemd den Müll rausgebracht hat. Du kannst ihn dir als Modellbeispiel für den Durchschnittseinwohner in unsrem Viertel denken.

Wir haben mit der Gegend wohl echt Pech. Was ich bis jetzt von Crewe gesehen habe, ist alles nicht so besonders hübsch. Ausnahme sind da noch die Kirchen - klar, die Engländer habens mit der Architektur. ;)

Heute habe ich aber mal Glück gehabt und ein schönes Fleckchen Crewes entdeckt. Einen richtig hübschen Park!

Guck mal, das ist der Parkeingang:

Die Häuser in der Nähe des Parks sind auch wohlhabender:

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das hier ein Privatgrundstück ist:

Aber dann musste ich leider wieder den Heimweg antreten und kam zurück ins "Ghettoviertel".

Aaaalso, Fazit: ich freue mich schon wieder, aus dieser RTL2-Umgebung rauszukommen... Jetzt bleiben mir noch 18 Tage.

 

Der Fluch der Ofenkartoffel

04März2018

Die Tage ziehen vorüber und es zieht allmählich ein Alltagsgefühl in Crewe ein. Ich kenne mich mittlerweile schon gut aus in der (sehr überschaubaren) Stadt.

     

Unter der Woche ist es zur Routine geworden, morgens seine Anwesenheit in der Schule am Computerautomat anzugeben,...

... den darausfolgenden "Visitor-Pass" Sticker sichtbar auf die Kleidung zu kleben...

und dann bis zum Nachmittag im Unterricht zu helfen. Mir fallen täglich neue Sachen auf, die mich am englischen Schulsystem erstaunen. Lust auf ein paar mehr Fakten? Hier sind sie:

  • Die Kinder tragen hier keine Hausschuhe, sondern lassen einfach ihre Straßenschuhe an.
  • Es gibt nur Gruppentische, keine Reihen.
  • Kein einziger Schüler besitzt ein eigenes Mäppchen. Stattdessen steht auf den Gruppentischen jeweils in der Mitte eine Box mit den ganzen Schreibsachen. Einmal habe ich einen Mathetest beobachtet. Ich fand es ganz schön störend, dass die Schüler sich während des Tests darum gegenseitig bitteten, den Radiergummi mal rüberzuwerfen.
  • Es hängen keine festen Stundenpläne im Klassenzimmer! Ich brauchte lange, bis ich den Bogen raus hatte, um wieviel Uhr jetzt nochmal die Pause stattfindet und wann Stundenwechsel ist. Selbst, als mir mein Praktikumslehrer meinen Stundenplan für die Woche gegeben hat, waren darauf keine Uhrzeiten. Bin ich also deutsche Struktur gewohnt?
  • Übrigens gibt es auch keinen Gongschlag, der den Stundenwechsel ankündigt.
  • Die Kinder nehmen für gewöhnlich kein eigenes Essen mit. Es ist zwar erlaubt, seine eigene Lunchbox mitzunehmen, aber die meisten Kinder essen in der Mensa. Zwischendurch wird ein Snack von der Schule gestellt, der aus Obst, Gemüse und einem Glas Milch besteht.

Übrigens: kannst du dich noch daran erinnern, dass ich dir von einer Ofenkartoffel mit Baked Beans erzählt habe? Anscheinend ist das hier in England ein wirklich beliebtes und weit verbreitetes Essen! Wohin ich auch komme, ich sehe sie überall. In jeder Stadt. Auf jeder Speisekarte. Sogar in der Schule! In der Mensa gibt es die jeden Tag!!! JEDEN TAG! ("Jacket Potato")!

 

Allgemein sind ja Bohnen super beliebt hier! Rate doch nur mal, was sich in dieser Blätterteigtasche befindet!

Ach übrigens habe ich den Kaffee auf dem Bild hier sehr genossen, weil es hier in Haushalten wohl nur Instantkaffee gibt. Weder meine Gastfamilie, noch ihre Freunde, noch im Lehrerzimmer oder in meiner WG befindet sich eine echte Kaffeemaschine! undecided 

Die Schule hat aber abgesehen vom Mensaplan im Allgemeinen ein sehr abwechslungsreiches Programm. Letzte Woche war "World Book Day" und jeder hat einen Hut aufgehabt, der sein Lieblingsbuch repräsentieren soll. Ich habe mich für einen spitzen Feenhut entschieden und war die gute Fee aus Cinderella. Es war lustig zu sehen, was die anderen alle für Hüte aufhatten. Es gab Kochmützen (Film Ratatouille), Hexenhüte (Harry Potter), Zylinder (Zugführer von Thomas, die Lokomotive), ... Schade, dass ich da kein Foto für dich habe... Wir beide müssen uns also mit deiner Fantasie zufrieden geben. wink

Samstags in Manchester

03März2018

Juhuu, Wochenende! Auf geht's nach Manchester mit uns!

Diese Stadt ist nur eine halbe Stunde von Crewe weg - ziemlich praktisch also.

Sieh dir mal diesen Warteraum am Bahnhof Crewe an. Ich weiß ja nicht, was du so von den deutschen Bahnhofswarteräumen hältst, aber meiner Meinung nach sind die meistens nicht sehr schön. Dieser englische hier sieht hingegen ziemlich sauber und vornehm aus.

Mein Eindruck von Manchester ist folgender: es ist eine sehr moderne Stadt - ziemlich viel Beton und neue Gebäude. 

    

Historische Gebäude gibt es zwar schon, aber nicht sehr viele. Die sehen dann inmitten der modernen Bauten ziemlich fehl am Platz aus. Das hier zum Beispiel ist die John Rylands Library.

Sie wurde vor 100 Jahren eröffnet und beinhaltet eine der größten Büchersammlungen von Großbritannien. Ursprünglich besaß sie 70.000 Bücher und weniger als 100 Manuskripte. Jetzt gibt es hier mehr als 250.000 Bücher und über eine Million Manuskripte. Teilweise sind die Schriften uralt! Wie alt? Z.B. kann man hier das "Papyrus P52" sehen, das früheste Fragment des Johannesevangelium im neuen Testament.

Das hier...

... ist übrigens ein Originalbrief von Luther aus dem Jahre 1528.

Diese Bücherei muss man gesehen haben! Es war ein Meisterwerk von Gebäude!

Auf meinen Fotos wirkt das leider nicht so gut, aber sieh dir das Bild aus dem Internet an - so sah es in Echt aus:

Was du hier siehst, ist der Hauptlesesaal. Daneben gab es aber noch viele andere zu bewundernde Räume und Treppenhäuser.

Ich habe dir ja schon vorgeschwärmt, wie beeindruckt ich von der englischen Architektur bin. Die Bücherei bestätigt diese Auffassung weiterhin. Aber auch diese hübschen Häuser:            

 

Und vor allem die Kathedrale Manchesters!

So etwas hast du noch nicht gesehen! Ich bin sicher, es ist die schönste Kirche, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe.

Das Hauptschiff war ja schon mal beeindruckend.

Aber dann gab es noch so viele abgeteilte Gebiete, die mir den Atem geraubt haben.

Ganz besonders dieser Teil - der Bischofsstuhl:

Mittags wollten wir eigentlich in Chinatown essen:

 

 

Aber dann waren unsre Füße so kalt, dass wir uns lieber in einem Einkaufszentrum aufgewärmt haben und dort gegessen haben. Ich habe das britische Nationalgericht gewählt: Chicken Tikka Masala (zusammen mit ein paar anderen echt leckeren indischen Currys). Dieses Gericht scheint zwar indisch zu sein, aber wurde wirklich in Großbritannien erfunden! Ich frage mich, ob man es in Indien überhaupt im Restaurant serviert bekommt. Also - wenn du mal nach Indien fahren solltest - könntest du das bitte für mich in Erfahrung bringen? innocent

Es hat wirklich gut geschmeckt! Und wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm gewesen - dann wären wir eben auf Nummersicher gegangen und hätten etwas Vertrautes aus der Heimat gegessen.

Obwohl... wer weiß, wie hier die Bratwurst schmeckt!

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