Nachts im Glockenturm

20März2018

Die langen Schultage gehen ganz besonders schnell vorbei, wenn man ein tolles Abendprogramm vor sich hat und sich drauf freuen kann. Heute stand etwas ganz Spezielles an: Nigel, unser Praktikumslehrer, hat Sarah, Jasmin und mich zu sich nach Hause eingeladen!

Er wohnt in der Stadt Macclesfield, ca. 30 Minuten von Crewe. Auf dem Weg dorthin sind wir durch eine malerische Landschaft gefahren. Überall gab es Schafe zu sehen, weite Wiesen und Felder,...

 

...und niedliche Dörfer. An einem Ort haben wir Halt gemacht, denn Nigel wollte uns gern diese Kirche aus dem 16. Jahrhundert zeigen.

Sie steht mitten im Grünen und wird fei gar nicht mehr als Kirche benutzt! Es finden aber ab und zu Konzerte u.ä. statt.

Nigel kennt sich sehr gut mit Kirchen aus, da er es sich zum Hobby gemacht hat, Kirchenglocken zu läuten. Er ist in einer Gruppe, die sich jeden dienstagabend trifft, um Kirchenglockenläuten zu üben. Ehrlich gesagt hab ich gar nicht gewusst, geschweigedenn drüber nachgedacht, dass es so was gibt und dass es so kompliziert ist, Glocken zu läuten!

Jedenfalls weiß Nigel deshalb ganz genau Bescheid, wie viele Glocken eine jede Kirche in der Region hat. Seine Lieblingskirche, in der er immer läutet, ist in Gawsworth, ganz in der Nähe von Macclesfield. Nigel hat sie uns natürlich gezeigt. Ein weiteres Mal fühlte ich mich wie in einer Märchenwelt. Es ist erstaunlich, wie schön die englische Architektur ist. Auf dem ganzen Weg hierher haben wir ja schon die faszinierenen, alten Häuser bestaunen können. Aber diese Kirche - die übertraf alles!

Die Kirche aus dem 15. Jahrhundert ist von einem großen Teich umgeben, auf dem sich Enten friedlich tümmelten und sich freuten, dass Nigel dran gedacht hat, Weißbrot einzupacken, sodass wir sie füttern konnten.

Die Kirche hatte einen Toreingang wie aus einem Drakulafilm.

Ich konnte es trotzdem kaum erwarten, hineinzugehen!

Der Friedhof war total faszinierend. Je näher die Grabsteine an der Kirche gelegen sind, desto älter sind sie.

  

Angeblich spukt es auf dem Friedhof. Wegen dem Geist einer gewissen Mary Fitton. Mary war angeblich Shakespeares Geliebte und wahrscheinlich diejenige, an die seine tragischen Sonnet gewidmet sind. Wissenschaftler haben sogar gesagt, dass Shakespeare gebrochenen Herzens gestorben ist, weil Mary ihn abgelehnt hatte.

Das Familiengrab der Fittons liegt jedenfalls auf dem Friedhof von dieser Kirche St. James in Gawsworth. Es ist mit dem Todesdatum 1608 das älteste Grab! Marys Geist soll zum Jubiläum von Shakespeares Todestag auf dem Friedhof gesichtet worden sein.

Aber genug mit den Gruselgeschichten. Jedenfalls hat uns Nigel dann letztendlich in sein Heim gebracht, wo wir lecker zusammen mit seiner sehr netten Frau und seiner Tochter zu Abend gegessen haben.

Später am Abend sind wir zurück zur spukenden Kirche gekehrt. Es war bereits düster. Die Kulisse sah jetzt nochmal kinoreifer aus!

Wie bereits erwähnt, trifft sich Nigel jeden Dienstag zum Kirchenglockenläuttraining - und wir durften diesmal dabei sein!

Zuerst bekamen wir eine Privatführung durch den Kirchturm.

Dann sahen wir ihm und seinen Freunden dabei zu, wie sie an den Seilen der Glocken zogen und sie diese nach einem ganz bestimmten Muster ertönen haben lassen. Je nach Anlass gibt es eine bestimmte Reihenfolge und einen speziellen Rhythmus, wann welche Glocke erklingen soll. Die Glockenläuter müssen sich also genau aufeinander abstimmen und im richtigen Moment am Seil ziehen. Die Rhythmen muss man wohl alle auswändig können. Du siehst also - das scheint nicht sehr leicht zu sein!

Nach dem Training hat uns Nigel noch in den Pub eingeladen. 

Es war ein wunderhübsches, uraltes Gebäude mit tiefen Decken und traditioneller Einrichtung.

Neben unsrem Tisch hing ein Bild von Mary Fitton. Aus Versehen haben wir bei unsrem Selfie ihren Kopf abgeschnitten, wie du hier siehst. Seitdem hoffen wir auf ihre Gnade, dass sie uns nicht verflucht hat.

So sicher sind wir uns nämlich nicht: gleich am nächsten Tag auf dem Weg zur Schule wurden wir Zeugen einer Diebesjagd zweier Polizisten. Und eine schwarze Katze ist uns auch über den Weg gelaufen... wink